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Herzfehler: Vom Herzgeräusch zur Operation I

Mit der Diagnose "Herzfehler" konfrontiert zu werden zählt sicherlich zu den erschreckendsten Erlebnissen, denen man als Elternteil begegnen kann. Ist doch das Herz wie kein anderes Organ so sehr mit der Vorstellung von Leben verknüpft.

Herzfehler bei Kindern sind keine seltene Erscheinung. Im Gegenteil es ist die häufigste aller angeborenen „Behinderungen“. Etwa 8-10 Kinder pro 1000 Neugeborene kommen mit einem Herzfehler zu Welt. In Österreich sind dies derzeit jährlich etwa 800 Kinder.

Meist wird die Diagnose bereits während der Schwangerschaft gestellt. Ab der 14. Schwangerschaftswoche, kann versucht werden einen möglichen Herzfehler mittels Ultraschall festzustellen. Eine verlässliche Untersuchung ist aber erst aber der 20. Schwangerschaftswoche möglich, da nunmehr die Strukturen etwas größer sind. Der Ultraschall wird in der Regel vom betreuenden Gynäkologen durchgeführt und umfaßt nur eine grobe Orientierung, ob das kindliche Herz 4 Herzkammern aufweist und eventuell, falls es die Untersuchungsbedingungen zulassen, ob der Verlauf der großen Gefäße normal ist. Ein schwerer Herzfehler der meist mit dem Leben nicht vereinbar ist, wird meist so frühzeitig entdeckt. In solchen Fällen sind weitere Untersuchungen in spezialisierten Zentren notwendig. Hier wird nach ausführlicher Beratung und Aufklärung gemeinsam mit den Eltern das weitere Vorgehen festgelegt.

Das Herz entspricht einer Pumpe, die Blut in die Lungen und den Körper befördert. Es besteht aus einer rechten Vorkammer und rechter Kammer als auch einer linken Vorkammer und linker Kammer. Die beiden Seiten sind durch eine Scheidewand voneinander getrennt. In die rechte Herzseite (zunächst Vorkammer dann Kammer) fließt sauerstoffarmes Blut aus Venen des gesamten Körpers. Dieses wird in die Lunge gepumpt, hier mit Sauerstoff angereichert und kehrt zum Herzen zurück. Hier gelangt es in die linke Vorkammer über diese in die linke Kammer und wird dann über die große Hauptschlagader (Aorta) in die Arterien und so den Körper gepumpt. Der Körper verbraucht wiederum Sauerstoff aus dem Blut und das nunmehr sauerstoffarme Blut fließt über die Venen neuerlich zurück zum rechten Herzen.

Häufig wird jedoch in der Erstuntersuchung nach der Geburt ein „Herzgeräusch“ festgestellt oder es besteht der Verdacht auf einen Herzfehler, da es dem Neugeborenen „schlecht geht“ und diese Ursache ausgeschlossen werden muss. Man sollte versuchen über beide Nachrichten nicht allzu sehr beunruhigt zu sein - denn:

Das Neugeborene muss sich nach der Geburt erst an die neuen Lebensbedingungen anpassen. So ist zum Beispiel der Blutkreislauf des Säuglings im Mutterleib anders als nach der Geburt.

Da das Kind im Mutterleib nicht atmen kann, erfolgt die lebensnotwendige Versorgung des Säuglings mit Sauerstoff über die Nabelschnur. Es fließt kaum Blut durch die Lungen. Es fließt auch deutlich weniger Blut durch die linke Herzkammer als durch die rechte. Mit der Geburt kommt plötzlich kein Blut mehr über die Nabelschnur und es erfolgt eine komplette Umstellung des Blutkreislaufes auf den eines Erwachsenen.

Zusätzlich macht das Kind seine ersten Atemzüge. Die vorher mit Flüssigkeit gefüllten Lungen entfalten sich und füllen sich mit Luft. Eine Vielzahl von Veränderungen die den gesamten Körper betreffen und Temperaturregulation, Verdauung, Wasserregulation, Regulation des Zuckerhaushaltes, etc. laufen gleichzeitig – vor, während und in den ersten Tagen nach der Geburt ab.

Die meisten Kinder schaffen all diese Umstellungen problemlos. Manche allerdings haben im einen oder anderen Bereich Probleme. Meist ist die Lunge davon betroffen, dies nennt man dann respiratorische Anpassungsstörung (das heißt – die Anpassung der Lunge an die neue Umgebung ist noch nicht ausreichend erfolgt). „Schlecht gehen“ hat also verschiedene Ursachen und meistens löst sich das Problem in den nachfolgenden Stunden und Tagen.

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